Lesefreunde Hürth e.V.

Unsere Lesetipps

Gerne können Sie Lesevorschläge senden an info@lesefreunde-huerth.de. Wir sind gespannt auf Ihre Buchtipps.

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Eine unmittelbare Suche bei der Stadtbücherei Hürth kann hier vorgenommen werden:

Erich Maletzke: Siegfried Lenz: Eine biographische Annäherung (2021)

Siegfried Lenz hat nie viel von sich erzählt, und von seiner Kindheit, der Jugend und der Zeit im Krieg weiß man nur wenig und nichts Genaues. Er hat nur autobiographische „Häppchen“ öffentlich gemacht. In seinen Texten tauchen jedoch erkennbar Erfahrungen aus seinem Leben auf. Dies hat der Journalist Erich Maletzke genutzt, um sich dem Menschen Lenz zu nähern.

In komprimierter Form gibt dieses Buch einen Überblick über Leben und Werk von Siegfried Lenz. Wer mehr von seinen Texten lesen möchte, bekommt darin ausreichend Anregungen.

Siegfried Lenz: So zärtlich war Suleyken (1955)

Zwar gab es ein Dorf namens Suleyken in der Heimat des Autors, so ist es in diesen zwanzig Geschichten doch ein fiktiver Schauplatz. Siegfried Lenz hat darin Masuren ein Bild gegeben und es dabei nach eigener Aussage mit Erinnerungen, Phantasie und Zuneigung aus seiner subjektiven Sicht beschrieben. Er wollte in seinen Erzählungen das Charakteristische der Orte verdeutlichen und vor allem die besonderen Eigenarten der einfachen Menschen würdigen.
Dies sind zeitlose Geschichten, die immer wieder gelesen werden können. Je nach Stimmungslage und persönlicher Lebenssituation wecken sie Erinnerungen oder Sehnsucht.

Siegfried Lenz: Die Nacht im Hotel (2013)

Dies ist eine Erzählung von einem traurigen Sohn und einem Vater, der sich auf ganz ungewöhnliche Weise bemüht, seinem Kind zu helfen. Sie ist auch als Bilderbuch erschienen.

Für mich ist dies eine sehr berührende Geschichte, die ich immer wieder gerne lese und vorlese.

Siegfried Lenz: Eine Art Bescherung. Weihnachts- und Wintergeschichten (2015)

In diesem Büchlein sind Geschichten aus den Jahren 1951 – 1965 zusammengestellt. Sie erzählen von Menschen voller List und Verschmitztheit aus Masuren, von Weihnachtsfesten, die trotz materieller Not gelingen und dem Umgang der Menschen mit ihren körperlichen und seelischen Verletzungen und von den Freuden und Mühen eines Lebens in kalten Wintern.

Diese Erzählungen aus den Jahren 1951-1965 berühren durch ihre Darstellung einer Zeit und von Nöten, die wir uns heute kaum mehr vorstellen können. Mit dem heutigen Rummel und Stress im Advent sowie den hohen Erwartungen an das Weihnachtsfest haben sie nichts zu tun.

Siegfried Lenz: Das Wettangeln (2015)

Im kleinen imaginären Ort Thorshafen findet jedes Jahr im Rahmen der Ostseewoche ein Wettangeln statt. Gewonnen hat, wer mit einem optimalen Köder den größten Fisch fängt. Auch der jugendliche Erzähler nimmt an dem Wettbewerb teil und ist dabei zusammen mit der blonden Anja. Sie angeln durchaus erfolgreich, ziehen sich dann aber nach einer kurzen Bootsfahrt auf eine versteckte Stelle im Schilf zurück, wo sie sich bald sehr viel näherkommen.

Dies ist die letzte Erzählung des Autors, die er vor seinem Tod im Oktober 2014 vollenden konnte und die er seiner Frau Ulla gewidmet hat. So ist dies nicht nur eine Geschichte über das Angeln, sondern auch über die Liebe.

Siegfried Lenz: Lesebuch (2017)

Karl-Heinz Ott hat für dieses Buch Texte von Siegfried Lenz ausgewählt und unter jeweils unter einer Überschrift zusammengestellt. Dabei ist ihm sowohl eine Mischung aus ernsten und humoristischen Texten wie ein Überblick über die Jahrzehnte seiner schriftstellerischen Arbeit.

Wer den Autor Siegfried Lenz kennenlernen möchte, dem kann ich dieses Lesebuch sehr empfehlen. Mir haben die einzelnen Geschichten noch einmal Appetit auf mehr „Lenz“ gemacht. In diesem Sammelband findet man auch „Das Wunder von Striegeldorf“, die Fortsetzungs - Adventsgeschichte der Lesefreunde im Dezember 2021.

Maren Ermisch: Ihr ganz Lieben zwei (2022)

Lilo und Siegfried Lenz / Loki und Helmut Schmidt
Zwischen 1965 und 2014 gab es einen regen Briefwechsel zwischen den Ehepaaren Lenz und Schmidt, und es entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. Die Germanistin Maren Ermisch hat sich in ihren Forschungen viel mit Siegfried Lenz befasst und in diesem Buch aus der Fülle der schriftlichen Dokumente eine Korrespondenzsammlung zusammengestellt, die einen guten Überblick über die Entwicklung der Beziehung zwischen beiden Paaren zeigt. Eine Fülle an Sachinformationen, Auszügen aus Reden und Texten von Siegfried Lenz ergänzen die Briefe.

Diese Zusammenfassung war für mich ein sehr interessantes zeitgeschichtliches Dokument über viele Jahre Literatur und Politik.

Lieselotte und Siegfried Lenz: Kleines Strandgut (2011)

Der passende Untertitel dieses Buches heißt „gezeichnet und aufgesammelt von Lieselotte und Siegfried Lenz. Zum einen kann man über die 44 Farbstiftzeichnungen der Malerin und Illustratorin Lieselotte (Lilo) Lenz staunen, die Fundstücke aus dem Meer und vom Strand lebendig aussehen lassen. Zum anderen hat ihr Ehemann dazu passende und phantasievolle Texte geschrieben, die aber auch viel Sachkenntnis und -wissen von „Strandgut“ zeigen.

Wer Naturbilder mag und phantasievolle Texte liebt, hat mit diesem Werk einen kleinen Schatz gefunden. Das Büchlein ist ein schauens- und lesenswerter Begleiter beim nächsten Spaziergang am Strand.

Hanjo Kesting (Hrsg.): Siegfried Lenz: Wasserwelten (2010)

Siegfried Lenz hat das Wasser geliebt, und diese Textsammlung zeigt das in besonderem Maße. Ob er über seine Kindheit am Lycksee in Masuren, seine Erfahrungen in der Marine während des Zweiten Weltkrieges, über die Gezeiten an Schleswig-Holsteins Nordseeküste oder vom Angeln in Teichen und Flüssen schreibt – sein tiefes Wissen und seine große Erzählkraft und -kunst wird in jeder der hier zusammengestellten Geschichten deutlich. Besonders interessant ist, dass die Auswahl mehrere Jahrzehnte seines schriftstellerischen Schaffens umfasst.

Für mich ist dies ein perfekte Urlaubslektüre für Reisen in nördliche Gegenden am Wasser.

Siegfried Lenz: Schweigeminute (2008)

Das Kollegium und die Schülerschaft eines Gymnasiums gedenken in einer Trauerfeier einer verstorbenen sehr beliebten jungen Kollegin. Stella Petersen hat ihre Schüler aber nicht nur durch ihren Unterricht begeistert, sondern auch durch persönliche Nähe gewonnen. Der 18-jährige Christian hat sich in den Sommerferien bei einem Hafenfest sogar in sie verliebt. Gemeinsam schwimmen sie, fahren aufs Meer hinaus und erkunden eine einsame Insel. Stella scheint seine Gefühle zu erwidern und beginnt eine intime Beziehung mit ihrem Schüler. So träumt er sogar von einer gemeinsamen Zukunft. Dann wird die Lehrerin bei einem Bootsunfall schwer verletzt. Christian hilft bei ihrer Rettung und besucht sie noch im Krankenhaus, wo sie kurze Zeit später ihren Kopfverletzungen erliegt. Christian bleibt trauernd und verwirrt zurück.

Eigentlich möchte man der Lehrerin immer zurufen: „Es ist verboten und falsch, was du tust!“ Aber dem Autor gelingt es in seinem Spätwerk, ohne jede moralische Wertung eine zarte Liebesgeschichte über dieses ungleiche Paar zu schreiben und vor allem Verständnis für die Gefühle des Protagonisten in einer Übergangsphase seines Lebens zu entwickeln.

Siegfried Lenz: Der Überläufer (von 1951, erst 2016 veröffentlicht)

Der deutsche Soldat Walter Proska wird in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges mit einer kleinen Einheit zugeteilt, die an der Ostfront eine Waldfestung halten soll. Auf dem Weg dorthin lernt er Wanda kennen, eine junge polnische Partisanin, in die er sich bald verliebt. Sicher ist sie einer der Gründe, warum Proska im Laufe seines Einsatzes die Seiten wechselt und zur Roten Armee überläuft. Im Wesentlichen geht es ihm aber darum, dass er die Sinnlosigkeit der Kämpfe nicht mehr einsieht, die Schikanen der Vorgesetzten nicht mehr aushält und die unrechte Kriegsführung unter der Herrschaft der Nationalsozialisten ablehnt. Doch auch als „Überläufer“ macht er sich schuldig und muss sich einen Umgang damit suchen.

Dies ist der zweite Roman des Autors, den sein Verlag 1951 aber nicht veröffentlichen wollte. Zu sehr rechnet Lenz darin mit dem Unrecht des Krieges ab, und dies passte vielen nicht in die ersten Nachkriegsjahre. Umso erfolgreicher war das Buch 2016, als es in seinem Nachlass entdeckt und zwei Jahre nach Lenz` Tod herausgegeben wurde.

Siegfried Lenz Stiftung, Studiengang Illustration der Fakultät Design (Hrsg.):
Siehst du es? Graphische Erzählungen über den Schriftsteller Siegfried Lenz (2026)

Die Stadt Hamburg feiert den 100. Geburtstag ihres berühmten Einwohners mit dem Festival „Hamburg liest“. Dazu haben u.a. in einem gemeinsamen Projekt der Siegfried Lenz Stiftung, der Behörde für Kultur und Medien und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften junge Kunstschaffende Texte des Schriftstellers ausgewählt und diese in Form von Graphic Novels dargestellt. Die Auswahl im Buch erzählt auf diese Weise Wichtiges aus dem Leben des Autors.

Diese Text- und Bildsammlung ist eine wirklich außergewöhnliche Vorstellung von Siegfried Lenz. Nicht alle Darstellungen gefallen mir gleich gut – aber die Zusammenstellung finde ich sehr gelungen.

(Alle Empfehlungen von Ulla Buse, Vorsitzende der Lesefreunde)

Romane von Siegfried Lenz:
1951: Es waren Habichte in der Luft
1951: Der Überläufer (veröffentlicht 2016)
1953: Duell mit Schatten
1957: Der Mann im Strom
1959: Brot und Spiele
1963: Stadtgespräch
1968: Deutschstunde
1973: Das Vorbild
1978: Heimatmuseum
1981: Der Verlust
1985: Exerzierplatz
1990: Die Klangprobe
1994: Die Auflehnung
1999: Arnes Nachlass
2003: Fundbüro
2008: Schweigeminute
Darüber hinaus hat Siegfried Lenz eine Fülle an Erzählungen, Novellen und Hörspielen geschrieben.
Viele seiner Texte sind teilweise mehrfach verfilmt worden.