Lesefreunde Hürth e.V.

Unsere Lesetipps

Gerne können Sie Lesevorschläge senden an info@lesefreunde-huerth.de. Wir sind gespannt auf Ihre Buchtipps.

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Norbert Scheuer: Flussabwärts (2002)

Kall hat schon bessere Zeiten erlebt, als in der Gegend der Erzbergbau wirtschaftlich bedeutend war. Auch Familie Arimond lebt mit Schulden aus der unrentablen Gastwirtschaft im Ort, die Ehe der Eltern kriselt. Der Sohn Leo arbeitet im Zementwerk und besucht die Abendschule, um wegzukommen und studieren zu können. Aus der Distanz von zwanzig Jahren erzählt Leo von seiner Familie und der Katastrophe, in der die Ehe seiner Jugendliebe Lia endet.

Der jugendliche Leo nimmt die Veränderungen in seinem Umfeld präzise und gleichzeitig abgeklärt wahr. Der titelgebende Fluss, der den kleinen Ort durchquert, nimmt gleichgültig fließend vieles mit sich fort. Eine beklemmende Rückschau des erwachsenen, desillusionierten Leo.

Norbert Scheuer: Kall, Eifel (2005)

Menschen in einem kleinen Ort in der Eifel: Norbert Scheuer erzählt von Familien, Freundschaften, Streitigkeiten, Arbeit, Freizeit, Festen, Lebenslauf, Träumen und Enttäuschungen dieser Menschen und von dem Ort, in dem sie leben.

Die kurzen, in sich abgeschlossenen Geschichten stehen über die Personen und den literarischen Ort Kall, Eifel miteinander in Verbindung. Zahlreiche Protagonisten späterer Romane tauchen hier erstmals auf.

Norbert Scheuer: Winterbienen (2019) *# (s. auch Lesetipp vom 27. Mai 2021)

Egidius Arimond lebt während des Zweiten Weltkriegs in der Eifel als Bienenzüchter. Als Lehrer wurde er wegen seiner Epilepsieerkrankung aus dem Dienst entlassen, im Ort ist er als Kranker und nicht Wehrpflichtiger ein Außenseiter. In der örtlichen Bibliothek forscht er zum Leben seines Vorfahren Ambrosius Arimond, der aus seiner Heimat in den Alpen die Bienenart Apis mellifera carnica mitbrachte. Um Geld für seine Medikamente zu verdienen, bringt Egidius Flüchtlinge mit nächtlichen Transporten in Bienenkörben an die Grenze zu Belgien. Im letzten Kriegswinter rückt die Front immer näher und die Lage wird auch in der Eifel für die Bevölkerung immer bedrohlicher. Gleichzeitig verschlechtert sich Egidius’ Gesundheitszustand. Das Kriegsende gibt ihm trotz aller Zerstörung, der auch die meisten Bienenvölker zum Opfer gefallen sind, für kurze Zeit Hoffnung auf einen Neuanfang und ein friedliches Leben.

Der Roman ist von Norbert Scheuer als Tagebuch des Egidius Arimond angelegt. Die Aufzeichnungen will er von einem älteren Besucher der Cafeteria im Kaller Supermarkt erhalten haben. In der Binnenhandlung wird der Weg des Ambrosius Arimond aus den Alpen in die Eifel nachgezeichnet. Die Welt der Bienen und den totalitären NS-Staat setzt er als parallele Welten gegenüber. Für den Roman erhielt Norbert Scheuer mehrere Buchpreise, darunter den Wilhelm-Raabe-Preis.

Norbert Scheuer: Überm Rauschen (2009) *

Leo Arimond hat Familie und Heimat in der Eifel vor langer Zeit den Rücken gekehrt. Aber nun, als 45jähriger, wird er um Hilfe gebeten. Sein älterer Bruder Hermann, der die elterliche Gastwirtschaft am Wehr (“Rauschen”) übernahm, hat sich in seinem Zimmer verbarrikadiert und weigert sich, es zu verlassen. Leo erinnert sich beim Fischen, das früher eine gemeinsame Leidenschaft vor allem des Vaters und des Bruders war, an die gemeinsame Kindheit und Jugend und das Aufwachsen in einer nicht intakten Familie. Auch in Gesprächen mit seinen Schwestern, der Tante und der Jugendfreundin Alma kann er keinen Weg finden, wie Hermann vor einer Zwangsunterbringung bewahrt werden kann. Bei der Jagd nach dem “großen Fisch”, einem sehr alten Wesen, kann er sich Vater und Bruder emotional nähern.

Der Ich-Erzähler Leo erinnert sich in ruhigem Ton an schwierige Familienverhältnisse und traurige Schicksale. Die Jagd nach dem Ichthys, dem großen Urzeitfisch, verbindet ihn nach seiner Rückkehr mit der Leidenschaft des Vaters und Bruders und bringt ihn beiden auf der Suche nach Sinnhaftigkeit im Leben näher. Der Roman stand 2009 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis und war 2010 in Köln “Das Buch für die Stadt”.

Norbert Scheuer: Die Sprache der Vögel (2015)

Paul Arimond meldet sich 2003 freiwillig als Sanitätssoldat für einen Einsatz in Afghanistan. Einerseits, um der schwierigen familiären Situation und seinen Schuldgefühlen wegen eines Autounfalls zu entkommen, andererseits aus ornithologischem Interesse und auf den Spuren eines Vorfahren, der das Land bereits im 18. Jahrhundert bereist hat. Die Obsession für die Vogelwelt gewinnt immer mehr die Oberhand und Paul geht immer mehr Risiken ein. Seine Tagebuchaufzeichnungen gelangen über einen anderen Soldaten an Pauls ehemalige Lehrerin Helena, die sie zusammen mit seinen Aquarellzeichnungen der Vögel Afghanistans ordnet und so seinen Weg nachzeichnet.

Nach Norbert Scheuers Danksagung am Ende dieses Buches hat es seinen Anfang aus Gesprächen mit einem jungen Mann in der Cafeteria in Kall genommen. Wie ein Puzzle setzt sich die Geschichte langsam aus den Tagebucheinträgen, Passagen zur Reise Ambrosius Arimonds, undatierten Rückblicken und Berichten über das parallele Leben in Kall zusammen und dennoch bleibt vieles nur angedeutet und den Gedanken der Leser überlassen.

Norbert Scheuer: Am Grund des Universums (2017)

Die gewinnträchtige Erweiterung des nahe gelegenen Stausees zu einer Touristenattraktion, die Suche nach einem legendären Silberschatz, eine Reise zu den Sternen – solche Vorhaben, aber auch private Pläne, Veränderungen und alle menschlichen Schwächen haben die älteren Herren, die sich täglich in der Cafeteria in Kall treffen im Blick und kommentieren sie ausgiebig. Diese “Grauköpfe” nehmen auch nach dem Bruch des Staudamms und der damit verbundenen Flutkatastrophe ihren Platz wieder ein und haben ihre Meinung zum Geschehen. Umrahmt wird das alles von der weiteren Geschichte Paul Arimonds und seiner Beziehung zu Nina Plisson, einer jungen Frau ohne Angehörige, die an einer seltenen Krankheit leidet.

Dreh- und Angelpunkt dieser kleinen Geschichten, der Träume der Menschen, ihrer Verwirklichung und ihrem Scheitern, ist die Cafeteria im Supermarkt. Die Grauköpfe fungieren wie der Chor in einer griechischen Tragödie und verbinden die einzelnen Handlungsteile.

Norbert Scheuer: Mutabor (2022) *

Wir begegnen Nina Plisson wieder, die im Zentrum des Romans steht. Als Ich-Erzählerin berichtet sie abwechselnd mit einem neutralen Erzähler von ihrer schwierigen Kindheit, Missbrauch und Vernachlässigung. Sie sucht nach Informationen über ihre Mutter, trifft aber auf eine Mauer des Schweigens. Die ehemalige Lehrerin Sophia Molitor fördert Nina einerseits, hat aber auch etwas zu verbergen. Ninas Beziehung zu Paul Arimond scheitert, kaum dass sie begonnen hat. Nina arbeitet sich mit Zeichnen, Träumen und Schreiben in ihre Vergangenheit und kann ihrem vorgezeichneten Schicksal als bildungsferner Sozialfall entkommen.

“Mutabor” nimmt Bezug auf Wilhelm Hauffs Märchen von Kalif Storch. Ninas Zauberpulver ist die Literatur, mit deren Hilfe sie sich von Schmerz und Unglück befreien kann. Eine Begegnung mit vielen Bekannten aus dem Scheuerschen Universum.

Norbert Scheuer: Peehs Liebe (2012)

Rosarius Delamot liebt Peeh (Petra), seit er sie als Dreizehnjähriger kennenlernte und bald darauf wieder verlor. Seinen Vater kennt er nicht, da der Archäologe von einer Reise in die Wüste nicht zurückgekehrt ist. Kathy, seine Mutter, liebt ihn, so wie er ist: kleinwüchsig, ohne Sprache, vermeintlich geistig behindert. Rosarius hat aber die Fähigkeit, sich jede Einzelheit zu merken und Muster und Symmetrien in allem zu entdecken. Erst als junger Mann wächst er zu normaler Größe und lernt zu sprechen. Eine kurze Karriere als Profifußballer endet nach einem Unfall und Rosarius verbringt sein weiteres Leben wieder in Kall. Nach einem Schlaganfall lebt er im Pflegeheim und erkennt in Annie, der ihm sehr zugewandten Pflegerin, Peeh wieder. Annie nimmt diese Rolle für sich an, so dass Rosarius’ Leben für ihn glücklich seinem Ende entgegengeht.

Ein sehr vielschichtiges Buch, das auf knapp 220 Seiten viele Perspektiven mosaikartig zusammenführt und Kall mit der Sehnsucht nach der weiten Welt verbindet. Die eingestreuten Berichte über die Reise des Archäologen und die Bezüge zu Hölderlins Hyperion, auf dem die Verbundenheit zwischen Rosarius und Annie gründet, spannen poetisch und zart erzählt einen weiten Bogen über die Eifel hinaus.

Norbert Scheuer: Der Steinesammler (2010)

Braden weiß alles über Steine, er sammelt sie leidenschaftlich und er liebt beharrlich Milli. Aber Milli ist unstet und erwidert seine Liebe nicht.

Norbert Scheuers erster Roman erschien ursprünglich 1999 und legte den Grundstein für seine Geschichten rund um den Mikrokosmos Kall.

Norbert Scheuer: Bis ich dies alles liebte. Neue Heimatgedichte (2011)

Alltägliche wie außergewöhnliche Beobachtungen und Wahrnehmungen des dörflichen Lebens, der Landschaft und ihrer Menschen, der Atmosphäre wandelt Norbert Scheuer in knapp und lakonisch formulierte Gedichte um.

Gedichte standen am Anfang des literarischen Schaffens von Norbert Scheuer. Der Band ist eine Neuauflage des Lyrikbandes “Ein Echo von allem” und enthält außerdem neue Gedichte.

Weitere Literatur von und zu Norbert Scheuer und seinem Werk
• Schatten aus den Felswänden. Eine Hommage an Norbert Scheuer und die Eifel. Hrsg. Von Andreas Erb und Christof Hamann. 2021
• Norbert Scheuer trifft Wilhelm Raabe. Der Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2019. Hrsg. Von Hubert Winkels. 2020
• Norbert Scheuer: Kant, die Provinz und der Roman. Hrsg. Von Andreas Erb. 2012
• Norbert Scheuer und Andreas Erb: Von hier aus. 2013

(Alle Empfehlungen von Lesefreundin und Lesementorin Jutta Niermann)

Ergänzende Romane zum Leben in der Eifel

Wolfgang Kaes: Grauland (2026)

Tief in der Vulkaneifel liegt das fiktive Städtchen Lärchtal, und dort führt das Schicksal zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Familien Küpper und Riener zueinander. Geprägt durch die wilde Landschaft und das raue Klima, ziemlich abgeschnitten von den Entwicklungen der wohlhabenden Gebiete Deutschlands, ringen alle um ihr tägliches Einkommen. Die immer brutaler agierenden Nationalsozialisten und der Zweite Weltkrieg treffen auch die Einwohner dieses abgeschiedenen „Graulandes“ hart. Vor allem den Frauen tragen die massiven Folgen der politischen Entwicklung. Sie müssen die Geschäfte fortführen und die Kinder großziehen.

Wer noch glaubte, die abgeschiedene Eifel wäre ohne große Schäden durch die Nazi- und Kriegszeit gekommen, erfährt hier ganz Anderes. Auf den Spuren eines unaufgeklärten Mordes in seiner Familie erzählt der Autor die Geschichte seiner Vorfahren und beschreibt dabei exemplarisch die Menschen und ihre Lebensbedingungen in dieser Zeit.
(Empfehlung von Ulla Buse, Vorsitzende der Lesefreunde)

Lesetipps vom 30. Januar 2025 zur Eifel und zur Ardennenoffensive 1945:
Linus Geschke: Und am Morgen waren sie tot (2016) *
Mechtild Borrmann: Grenzgänger (2018) *#
Steffen Kopetzky: Monschau (2021) *#

Diese Lesetipps findet man auf unserer Homepage www.lesefreunde-huerth.de und kann sie noch einmal lesen.


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